Dia 12 – ‚Qimmeq‘ – Bei den Grönland-Hunden mit Markus Trienke

Genre:,

“Qimmeq” nennen die Inuit den Hund – ein Wort, das für mehr steht als nur ein Tier. Es erzählt von Gemeinschaft, Überleben und Vertrauen in einer der rauesten Landschaften der Erde. In dieser Episode nimmt uns Markus Trienke mit nach Grönland – mitten hinein in das gleissende Weiß und mit Hundeschlitten durch Wind und Kälte.…

Bild im Querformat Hier sieht man ein Hundeschlitten-Team mitten in einer weißen Schneewüste.
Vorn im Bild rennen zwei Hunde in Großaufnahme, ein grauweißer Husky und ein rotbrauner Hund, mit weit aufgerissenen Mäulern, pinken Zungen und kleinen Eisklümpchen im Fell.
Der Schnee um sie herum ist fast grellweiß, der Horizont verschwindet in einem milchigen Nichts – als gäbe es nur Hunde, Wind und Weite.

Weiter hinten erkennt man den Schlitten mit Musher und den restlichen Hunden, klein und leicht verschwommen, während die beiden Leithunde kraftvoll auf die Kamera zustürmen.
Foto: Markus Trienke

Shownotes

Teilnehmer diese Episode:

Michael Koopmann
Markus Trienke

Die andere Episode mit Markus Trienke:



⛓️‍💥Links zur Episode:

Grönland

Bilder von Markus

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Diese Episode ist erschienen am 01.04.2026 und wurde aufgenommen am 04.03.2026.

Titel-Melodie: „Der weite Blick“ generiert von M. Koopmann mit musichero.ai

Der Podcast bietet Kapitelmarken mit Bildern, ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprechern sowie weitere Zusatzinfos. Am besten nutzt du Apps wie Pocket Casts, Overcast, Instacast und andere sog. ‚Podcatcher‘ Apps, die diese Inhalte anzeigen können.

Die Episoden der zweiten Staffel sind zusätzlich auch als Video auf YouTube und im Fediverse auf Makertube abrufbar.

Transkription der Episode anzeigen
Michael Koopmann
Willkommen bei Bilder und Geschichten. Ein Bild, eine Geschichte, eine Stimme dazu. Kein Technik-Talk, sondern Erinnerungen und echte Momente. Jede Folge macht ein Foto hörbar. Willkommen beim Podcast Bilder und Geschichten. Ja und herzlich willkommen wieder bei dieser Episode von meinem kleinen Podcast und ich freue mich diesmal wieder einen besonderen Fotografen und einen alten Freund dabei zu haben, den Markus Trinke. Hallo Markus.
Markus Trienke
Hallo Michael, schön, dass ich dabei sein darf.
Michael Koopmann
Ja, sehr schön, dass du zugesagt hast, denn ich weiß von dir, dass du so viele tolle Bilder in deinem Katalog hast, denn ja, öfters treffen wir uns ja mal, um uns gegenseitig so ein bisschen Bilder zu zeigen und du machst auch sehr schöne Bildershows, die du zeigst und da sind so viele gigantische Bilder dabei und ja, ein paar dieser Aufnahmen haben es mir besonders angetan. Ja, woher kennen wir uns? Eigentlich aus der Eisenbahnwelt, dort haben wir mal so verschiedenste Projekte zusammen gemacht, da kommen wir eigentlich auch aus dem gleichen Ort im Sauerland und wie gesagt, treffen uns immer mal irgendwie wieder mit der Fotografie zusammen und ja, dann heute hier im Podcast. Jetzt wäre ja die Vermutung, dass das Bild hier mit Pferdestärken zusammenhängt und vielleicht mit Eisenbahn, aber das ist genau andersrum, es sind heute eher Hundestärken, die du mitgebracht hast.
Markus Trienke
Ja, richtig, genau. Ja, ich habe dir ein Bild mitgebracht, oder euch, mit Grönlandhunden. Ich war in Ostgrönland zu einer Hundeschlitten-Expedition und man sieht auf dem Bild zwei Grönlandhunde, die einen Hundeschlitten ziehen. Man sieht auch im Hintergrund noch weitere Hunde und auch so gerade eben noch den Schlitten kann man erahnen und im Hintergrund so ein paar Berge. Ansonsten sieht man eigentlich nur viel Weiß auf dem Bild. Ja, wir waren da unterwegs. Was ich total faszinierend fand, war eben, wie diese Hunde, was die für eine Power einfach haben und wie die da durch den Schnee gehen. Das war auch schon recht anstrengend, das war recht warm. Man sieht auch auf dem Bild, wenn man genauer hinguckt, wie tief die Hunde eigentlich auch im Schnee einsinken. Und es war so ein richtiger pappiger Schnee, also es war so um den Gefrierpunkt halt nur, als wir da unterwegs waren. Und wir sind unterwegs von Kulusuk aus, von so einer kleinen Stadt in Ostgrönland mit, ich glaube, 200 Einwohnern oder so 300 Einwohnern, um so ein bisschen die Gegend da zu erkunden, so eine kleine Expedition über mehrere Tage, raus aufs Meereis.
Michael Koopmann
Markus, mir kommen schon eine Million Fragen hier. und wahrscheinlich den Zuhörern auch gerade. Das Bild hast du ja schon sehr gut beschrieben. Ich würde mal noch ein paar Details dazu geben. Also was man sieht, ein Bild im Querformat, ja, die Hauptfarbe weiß. Es handelt sich um Schnee und anscheinend auch ein sehr bedeckter Tag, denn der Hintergrund ist eigentlich komplett weiß, außer so ein paar Berge. Wenn man es ganz groß aufzieht, kann man die noch erahnen. Und wir sind hier gerade an der Spitze von so einem Hundeschlitten-Konvoi und sehen gerade hier zwei, ja Huskys ist wahrscheinlich nicht ganz die richtige Hunderasse, aber halt Schlittenhunde.
Markus Trienke
Grönlandhunde sind es, genau.
Michael Koopmann
Grönlandhunde. Und die gerade mit, ja, ein bisschen Anstrengung anscheinend hier den Schlitten durch den Schnee ziehen und du hast sie irgendwie frontal von vorne erwischt, sodass wir halt ja auf die Schnauzen gucken können. Wir sehen, dass die Zungen raushängen, sie hecheln und man kann richtig gut diese Kraft sehen. Ja, und erst hinten am linken Bildrand kann man so gerade eben erkennen, Da ist irgendwo ein Schlitten, da ist auch irgendwo der Schlittenhundeführer drauf und da sind auch noch ein paar mehr Hunde, aber eigentlich sind das das Hauptmotiv halt diese beiden Grönland Huskys. Ja, ganz viele Fragen, wie kommt man überhaupt dazu, zu Schlittenhunden und die dann auch noch fotografieren zu wollen?
Markus Trienke
Ja, ich habe vor ein paar Jahren, 2014, angefangen mit Hundeschlitten-Touren so in Finnland, weil ich so, ich stand mal so kurz vorm Burnout und musste mal irgendwie raus und hatte dann irgendwie zum Winter hin irgendwann einfach mal sehr viel Zeit. Und hatte mich nach Aktivreisen umguckt. Ich wollte in die Sonne, wo es schön warm ist. Aber wollte jetzt nicht, ich wollte nur zehn Tage weg. Da fliegt es ja nicht irgendwo, weiß ich nicht wohin. Und da war ich ein bisschen frustriert, dass ich nichts gefunden habe. Und da habe ich irgendwann gedacht, guck doch mal, was es so alles gibt. Und dann stand da immer irgendwie Husky Tour in Finnland. Und ich dachte so, ja, es ist aber kalt und dunkel. Und naja, habe ich das halt doch irgendwann gebucht. Und weil mir das dann Spaß gemacht hat, habe ich das dann ein paar Mal hintereinander gemacht. Und irgendwann habe ich mir so die Frage gestellt, wo gibt es denn auf der Welt eigentlich noch Hundeschlitten oder Schlittenhunde, die eigentlich, ich sage mal, so im täglichen Betrieb noch unterwegs sind. Und dann bin ich auf Grönland gekommen. Die Grönlandhunde, die wir jetzt hier auf dem Bild sehen, die gehören halt eben auch den Inuit, also den Ureinwohnern von Grönland. Und das ist der Jagdschlitten, mit dem wir da unterwegs sind. Also wir sind mit mehreren Schlitten unterwegs gewesen, das hätte ich das Bild so auch nicht machen können, ich sitze quasi auf dem Parallelschlitten. Ähm, So bin ich eigentlich dann nach Grönland gekommen. Das war so das Thema.
Michael Koopmann
Also ganz einfach, du wolltest in die Sonne reisen und hast dann Grönland gebucht. Das klingt nach einem stringenten Weg auf jeden Fall.
Markus Trienke
Naja, das war erst einmal bei Finnland. Also ich war dreimal in Finnland dann und dann habe ich irgendwann gedacht, jetzt muss ich mal irgendwie gucken, was gibt es denn noch so an Schlittenhunden? Das war so eigentlich der Weg.
Michael Koopmann
Ja, okay, das sei dir gegönnt. Finnland ist natürlich für die sonnigen Strände besonders bekannt.
Markus Trienke
Auf jeden Fall, ja.
Michael Koopmann
Ja, aber auf jeden Fall dann ein Reiseziel oder überhaupt eine Reise, die jetzt nicht so alltäglich ist, weil ich glaube, relativ wenige landen auf Grönland oder auch in Finnland und noch wenigere gönnen sich dann mal halt so eine Tour mit dem Schlittenhund oder mit so einem Schlittenhundkonvoi. Jetzt hast du dich einfach nur hinten drauf gesetzt und durch die Gegend ziehen lassen und lustig die Kamera in die Gegend gehalten und vor die Hunde oder was war so das Ziel der Tour? Was hast du da alles gemacht?
Markus Trienke
Also ich wollte eigentlich, also erstmal die Faszination mit den Hunden, die mich so gepackt hat, die Beziehung zwischen Mensch und Tier, das finde ich einfach toll und auf der anderen Seite aber dann auch die, ich liebe halt Winter, Ja, ich liebe es, in der Kälte unterwegs zu sein. Die Winternatur und Grönland hat mich dann einfach so schon fasziniert. Ich dachte, boah, Grönland wäre schon toll, wenn ich da mal hinkäme. Und das war dann eben die Kombination aus beidem. Ja, und dann habe ich diese Tour gebucht. Was ich dann aber eigentlich gefunden habe und was mir auch im Nachhinein eigentlich erst so richtig bewusst geworden ist, ist das Leben der Inuit eigentlich kennenzulernen. Weil wir waren ja jetzt mehrere Tage mit denen unterwegs und du lernst die natürlich dann auch kennen. Man wächst ja auch zusammen, ist auf engem Raum zusammen, übernachtet in Zelten. Die sprechen halt zum Teil gebrochenes Englisch, zum Teil auch, einer sprach gar kein Englisch, da musste man mit Händen und Füßen irgendwie gucken. Und als ich dann nach Hause gekommen bin, habe ich eigentlich erstmal so, es sind mir ganz viele Sachen durch den Kopf gegangen. Natürlich dieses tolle Erlebnis mit den Hunden und die Natur, aber einfach auch dieser Zusammenhang zwischen den Inuit in dieser Welt und was mit denen so gerade passiert. Also wenn man sich so vorstellt, vor 70, 80 Jahren haben die noch in Erdhäusern gewohnt. Also diese Hütten, die man jetzt vielleicht auch so im Fernsehen in letzter Zeit gesehen hat, wenn es öfter mal um Grönland ging, die sind ja aus Holz gebaut. Auf Grönland gibt es keinen einzigen Baum. Also die sind ja dahin gebaut worden von den Dänen damals. Das ist ja jetzt nicht so diese übliche, sind ja keine typischen grönländischen Häuschen. Auch wenn uns das jetzt so vorkommt. Und was ich sagen will, ist eigentlich diese Geschwindigkeit, mit der die Änderungen in Grönland dann eben auch stattfinden für die Inuit. Das ist schon Wahnsinn, wenn man sich das vorstellt, was sich in den letzten 70 bis 80 Jahren da verändert hat. Ja, die haben heute alle ein Smartphone in der Hand, selbst in Ostgrönland, was eigentlich noch sehr rückständig ist gegenüber Westgrönland. Ja. Die haben halt Facebook, Instagram, die können sich alles auf Amazon bestellen. Es wird dann da eingeflogen. Und auf der anderen Seite bist du mit denen dann unterwegs. Wir sind mit einem, der war 20 rum, hatte mit seinen 12, 14 Hunden, die er da vor seinem Schlitten hat. Fährt der raus zur Robbenjagd. Ist also in dieser, ich will mal sagen, für uns lebensfeindlichen Natur unterwegs. Völlig auf sich allein gestellt. schießt eine Robbe oder mehrere Robben, packt die auf seinen Schlitten und fährt mit seinen Hunden dann wieder zurück, um einfach Nahrung für die Bevölkerung ranzuschlafen. Also das Jäger. Und dann auf der anderen Seite dann eben ein Goldkettchen um und hat ein Trikot von Real Madrid an und so Gangster-Style-mäßig drauf, was man so auf Social Media einfach so sieht.
Michael Koopmann
Genau, die ganzen Einflüsse von da.
Markus Trienke
Ja, genau, das ist total spannend. Wenn man die Älteren sieht, die so ein bisschen in sich zurückgezogen sind und ruhig. Also man sieht auch einfach, wie diese Generationen sich unterscheiden. Das finde ich total spannend.
Michael Koopmann
Naja, das bringt ja dann jetzt auch dieses Bild eigentlich mit rüber, dass halt die Huskys natürlich auch einfach ein Transportmittel sind oder Waren zumindest. Einfach die Möglichkeit von A nach B zu kommen, weil mit dem Auto garantiert nicht und ein Skido und so gab es natürlich dann noch nicht. Deswegen musste man ja irgendwie sich an die Gegebenheiten anpassen. Damit war mit Sicherheit der Hundeschlitten eine Möglichkeit. Naja, und auch sonst halt ganz viele andere Varianten suchen, um sich irgendwie an diese doch, ja eigentlich sehr lebensfeindliche Gegend irgendwie anzupassen.
Markus Trienke
Ja, richtig. Also das Bild ist eigentlich auch eine Hommage an den Grönlandhund. Also das Bild heißt Kimek, das heißt einfach auf Grönlandisch Hund. Genauso wie Inuit ja die Menschen heißen oder Inuk ist der Mensch. Also die Grönland-Hunde sind jetzt mit den Inuit zusammen vor rund 1000 Jahren dann nach Grönland gekommen und das war einfach das Transportmittel, was es halt gab. Also das hat sich seit 1000 Jahren nicht geändert und jetzt erst in der Neuzeit kommen halt die Skidos dazu, aber auf dem Skido, wenn da irgendwie Mutterschaden ist und du bist halt draußen 40 Kilometer von deinem Dorf entfernt, dann war es das halt. Und die verlassen sich halt heute immer noch auf ihre Hunde und das funktioniert. Bis heute.
Michael Koopmann
Naja, es ist auch dann oft mal dieses Zusammenspiel Mensch-Tier, was dann auch natürlich ganz besonders ist und da wahrscheinlich auch einfach ein gegenseitiges Vertrauen ist, was man ja leider oft in die Technik nicht unbedingt haben kann.
Markus Trienke
Ja, ja, auf jeden Fall, genau.
Michael Koopmann
Jetzt hast du gerade am Anfang auch gesagt, dass dieses Bild gar nicht so kalt war oder ist, wie es eigentlich aussieht. Also auf den ersten Blick mit dem ganzen Weiß, denk mal, du warst hier irgendwie bei minus 30 Grad unterwegs, alles eingefroren und alles eisekalt, aber es war eigentlich ganz anders an dem Tag.
Markus Trienke
Ja, wir waren acht Tage auf Grönland und es war eigentlich die ganze Zeit viel zu warm. Also nachts geht es dann mal wirklich so auf minus 15, minus 20 runter, sobald die Sonne weg ist. Aber tagsüber, jetzt an dem Tag, hatten wir auch relativ Schmuddelwetter. Es hat ein bisschen geschneit. Man sieht es auch so ein bisschen, wenn man genauer hinguckt. Und ja, es war so halt nur um den Gefrierpunkt rum und es ist eigentlich um diese Zeit müsste, das war so im April, müssten eigentlich noch so minus 20 Grad sein. Und man merkt gerade, wenn man auf Grönland ist, man hört es ja andauernd auch überall im Fernsehen, aber wenn man wirklich mal vor Ort ist und das live miterlebt, der Klimawandel schlägt halt da voll zu. Du hast halt viel mehr Schnee, also dass die Hunde hier durch diesen Schnee laufen, ist auch so ein Faktor davon, wo sich der Klimawandel bemerkbar macht, es schneit einfach viel mehr. Wir sind hier sehr viel, oder die Hunde brechen sehr oft auch wirklich durch den Schnee ein und stehen dann im Wasser. Also eigentlich ist es so, dass du auf dem Meer unterwegs bist, dann taut das, weil es warm ist, es sammelt sich auf dem Eis, sammelt sich eine Menge Wasser und es schneit halt obendrauf. Das heißt, du siehst es von oben eigentlich gar nicht. Von oben sieht alles wunderbar schön aus, tolle Schneedecke. Dann fährst du mit dem schweren Schlitten da drüber und dann bricht der Schlitten dann ein und die Hunde müssen dann richtig kämpfen, stehen dann teilweise bis zum Hals im Wasser und dann wird einem eigentlich irgendwie so bewusst, das ist irgendwie nicht normal. Und wenn du dich mit den Inuit unterhältst, dann erzählt dir auch, so etwas kennen wir eigentlich von früher gar nicht. Oder früher sind wir nach da und da gefahren über diesen riesigen Fjord auf die andere Seite. Da fahren wir seit 20 Jahren nicht mehr rüber, weil der einfach im Winter nicht mehr zufriert. Und diese Aktionsradius der Inuit, wenn die zur Jagd fahren, wird dadurch auch immer kleiner. Wir sind auch einen Tag zur Rumjagd rausgefahren. Da wärst du wahrscheinlich früher mehrere Stunden unterwegs gewesen. Jetzt sind wir halt so eine Stunde, zwei Stunden vielleicht gefahren. Bis wir an der Eiskante waren und sind dann da zur Rubbenjagd gegangen, weil das Eis jedes Jahr ein Stückchen weiter zurück geht oder nicht so weit vorgeht, wie im Jahr zuvor dann.
Michael Koopmann
Ja, das ist natürlich wirklich krass, weil sowas kriegt man natürlich hier ja von uns gar nicht mit. Wir gucken immer raus, naja, im Sommer wird es ein bisschen wärmer. Aber dass natürlich sich an solchen Extremorten die Situation auch komplett verändern und naja, erstmal auf jeden Fall für die Bewohner auch zum Schlechteren verändern, das ist natürlich schwer, schwer überhaupt mitzubekommen. Das ist schon sehr, sehr interessant.
Markus Trienke
Ja und die, man merkt das auch bei den Inuit, es ist ja ein großes Alkoholproblem, also dieser schnelle Wechsel, diese Veränderung, die wir so erleben und der Raub der Identität, also die Kultur der Inuit, wie sich die jetzt verändert, viel kommt damit einfach nicht zurecht, das geht zu schnell oder es verändert sie zu sehr. Also früher war halt der Jäger, da war halt jemand und heutzutage kannst du halt irgendwie auch in den Supermarkt gehen und dir irgendwas kaufen und warum soll ich noch zur Jagd gehen? Also die werden so ein bisschen ihre Identität ja auch beraubt und dann bist du halt depressiv und verfüllst dem Alkohol und also es ist dann schon schade, traurig, wenn man dann sieht, wie einige dann da, das Wort ist, vor die Hunde gehen.
Michael Koopmann
Naja, wie so eine Kultur dann auch langsam wirklich stirbt eigentlich dadurch.
Markus Trienke
Ja, richtig.
Michael Koopmann
Kommen wir mal nochmal zurück zur Fotografie. Wie fotografiert man denn überhaupt in so einer relativ unwirklichen Gegend? Also auch wenn es jetzt nicht so kalt ist, trotzdem ist man irgendwie halbwegs dick eingepackt. Oberhalb ist Schnee. Oberhalb ist irgendwie ganz viel, was so eine Kamera eigentlich nicht mag. Wie bist du zu Bildern da überhaupt gekommen?
Markus Trienke
Also ich habe mir, ich glaube das war direkt vor dem Urlaub, habe ich mir eine digitale Spielreflex gekauft, eine Canon EOS 5D Mark IV war das.
Michael Koopmann
Wir sprechen hier eigentlich nie über Technik. So eine große Kamera.
Markus Trienke
Genau, so eine große fette Kamera, schon eher so im Profisegment dann angesiedelt. Warum? Weil man die auch mit dicksten Handschuhen einfach noch bedienen kann und weil die eben auch für extreme Kälte gut geeignet ist. Und die hat mich in meinen ganzen Winter- und Husky-Urlauben und so weiter die ganze Zeit begleitet und hat mich da auch nie im Stich gelassen tatsächlich. Und ich meine, wer einmal bei minus, weiß nicht, 40 Grad versucht hat, mit dem Handy ein Bild zu machen, der wird vielleicht das erste Bild vielleicht noch gemacht kriegen, bevor dann die Handy sofort ausgeht, weil es nicht so kalt ist.
Michael Koopmann
Und man will den Finger ja auch gar nicht rausholen aus dem Handschuh dafür wahrscheinlich.
Markus Trienke
Nein, genau. Und wenn du einmal die Finger rausgeholt hast, du kriegst die ja nicht mehr. Also das heißt, wenn du versuchst, mit dem Handy mit Handschuhen, wird es irgendwann schwierig. Erstmal, weil das Handy das nicht mitmacht und weil die dicken Handschuhe es einfach nicht zulassen, es ordentlich zu bedienen. Und bei einer kleinen Kamera, wo du auch mit Touch vorzutage ja viel machen kannst, das kannst du einfach mit dicken Einschränkungen vergessen. Und deswegen, das war dann eben eines der Kriterien, warum ich zu so einer etwas teuren Kamera dann eben schon gegriffen habe, auch mit entsprechend teuren Objektiven natürlich dann dazu, dass die Technik einfach dich bei solchen widrigen Verhältnissen einfach nicht im Stich wasserdicht ist und egal was, also dass du es wirklich wie ein Werkzeug jetzt einsetzt, da geht es mir nicht so sehr um die Technik selber, was die Kamera alles Tolles kann, sondern einfach, dass die robust genug ist für den Einsatz.
Michael Koopmann
Ja, und wie ist das auch so jetzt bei Digitalkameras mit Akkus? Ich weiß so, wenn hier so im Winter irgendwie ein Fotowalk stattfindet, haben die Ersten schon so bei unter 10 Grad ihre Akkus in der Jackentasche und Angst darum, dass die sterben. Wie ist das bei minus 20 Grad? Was macht man da?
Markus Trienke
Also ich habe die Ersatzakkus tatsächlich immer körpernah. Irgendwo in der Innentasche, dass die immer schon warm sind. Der Akku, der in der Kamera ist, der hat erstaunlicherweise immer durchgehalten. Also ich habe teilweise über 1000 Bilder mit einem Akku gemacht auf so einer Tour. Ich meine, du machst natürlich relativ viele Bilder dann, weil du irgendwie versuchst natürlich viele Motive einzufangen. Gerade bei so Hunden, die laufen, machst du jetzt nicht ein Bild, sondern hast ja irgendwie immer eine Serie da. Und ich lasse die Kamera halt immer an. Die ist immer auf maximal Standby, aber ich schalte die nicht wirklich aus. Also ich weiß nicht, ob ich mir das dann einbilde, aber es ist ja immer ein gewisser Energiefluss dann aus dem Akku noch da, der vielleicht die Elektronik dann nicht komplett einfrieren lässt. Also ich habe tatsächlich keine Probleme gehabt dann damit.
Michael Koopmann
Okay, sehr, sehr spannend. Und wie macht man da Bilder im Sinne von, dass man sich irgendwie ein Motiv sucht und das irgendwie auch nutzen kann? Weil ich denke, auch mal eben vorlaufen oder mal eben auf den Hügel gehen ist wahrscheinlich auch eine Sache, die man sich deutlich vorüberlegen sollte, ob man das machen will.
Markus Trienke
Das ist richtig, ja vor allen Dingen, wenn du dann so Overflows hast und das Wasser auf dem Eis steht und du steichst halt vom Schlitten runter, kann das sein, dass da halt das Wasser in deine Stiefel dann reinläuft, dann war es das, dann hast du keinen schönen Tag mehr. Aber nee, also wir sind ja mit mehreren Schlitten unterwegs gewesen auf der Tour. Also wir hatten jetzt hier an dem Tag waren wir glaube ich mit zwei, drei, drei oder vier Schlitten waren es glaube ich unterwegs. Und dann hast du halt immer mal wieder die Möglichkeit, wenn du vorne fährst, dass du zurückfotografieren kannst. Und das war eben jetzt hier an dieser Stelle eben auch so, ne? Kannst mal hinterher fotografieren, den anderen Schlitten, der vor dir herfährt. Und so hast du eigentlich mehrere Perspektiven gleichzeitig. Und dadurch, dass ich ja selber den Schlitten gefahren bin, wie normalerweise, wenn ich jetzt, was ich finde, in Schweden, weiß ich nicht, wo unterwegs bin, wurde dein eigenes Schlitten fährst. Hier bin ich Fahrgast auf dem Jagdschlitten der Inuit. Und da war es natürlich total komfortabel, weil dann kannst du natürlich dich als Fotograf reinfalten.
Michael Koopmann
Das klingt super spannend. Und da kriege ich auch direkt wieder Lust, Fotos zu machen, weil einmal hat man natürlich so ein bisschen Actionfotografie, aber da ist natürlich auch gleich so irgendwie der Reportagegedanke hinter, was man da alles an Geschichten sammeln kann, wahrscheinlich auf so einer Tour. Das ist ja wirklich gigantisch.
Markus Trienke
Ja, ja, definitiv, genau.
Michael Koopmann
So, jetzt gucke ich hier schon wieder auf meine Uhr und sehe schon hier wieder eine 20 stehen, also schon ein bisschen über meinem Zielzeit. Deswegen müssen wir mal langsam das Ende finden, Was ich sehr, sehr schade finde. Ich glaube, allein über dieses Bild könnte man noch lange sprechen und über diese ganze Reise allein nach Grönland gibt es viel zu erzählen. Aber du hast ja sogar einen ganzen Vortrag dazu gemacht und ab und zu zeigst du diese Bilder ja auch nochmal in Gänze, dass man so ein bisschen Eindruck haben kann von Grönland und dieser ganzen Reise.
Markus Trienke
Ja, richtig.
Michael Koopmann
Und ich denke mal, wenn das mal wieder soweit ist, gibt es das bestimmt irgendwo dann bei mir hier oder auf Bildertermin oder zumindest bei dir auch auf deinen Kanälen dann wieder zu sehen.
Markus Trienke
Ich sage dir Bescheid.
Michael Koopmann
Okay, auf jeden Fall. Dann gebe ich das natürlich gerne hierhin weiter. Ja, Markus, ich danke dir schon mal vielmals für dieses tolle Bild. Ich kann schon mal den Hörern sagen, es wird noch eine zweite Folge mit dir geben, auch nochmal mit dem Husky-Bild, weil, wie gesagt, da sind so viele tolle Aufnahmen auch. da werden wir nach Alaska kommen. Das muss hier auch nochmal im Podcast gezeigt werden. Dann hast du noch so viele andere Sachen. Deswegen wirst du bestimmt noch ein paar Mal mehr Gast hier bei mir sein. Ich lade dich auf jeden Fall damit herzlich ein.
Markus Trienke
Ich komme gerne wieder. Danke. Danke dir, Michael.
Michael Koopmann
Vielen Dank, Markus. Und euch hören alle auf Wiederhören und bis zum nächsten Mittwoch hier im Podcast.

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt und nicht manuell geprüft oder korrigiert. Die Erkennung ist nicht fehlerfrei, daher können Inhalte falsch sein. Maßgeblich ist immer das im Podcast gesprochene Wort

Am Mittwoch den 6. Mai erscheint die Fortsetzung mit – Episode 17 ‘Tiefe Verbindung zu den Schlittenhunden mit Markus Trienke‘ .


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