Dia 20 – Demokratie in bewegten Zeiten mit Oliver Schlecht

Genre:

Diese Episode dreht sich um eine Foto-Serie von Oliver Schlecht, bei der Demokratie sichtbar wird: Wahlplakate treffen kreative Gegenentwürfe, Wahlen prägen die Straße und Kunst antwortet auf Politik. Es geht darum wie sich die Öffentlichkeit in Zeiten von Unsicherheit verändert und was Olivers Bilder über unsere Gesellschaft verraten.

Links:  Erst der Blick nach links: Ein Schild Fussgängerweg - Fahrrad frei - Wahlplakat mit grüner Hintergrund, formale, professionelle Bildsprache. Porträt von Robert Habeck, Slogan: ZUVERSICHT darunter ein kleiner Text

   - Mitte:  Dann in die Mitte: Strom-/Verteilerkasten mit Graffiti – aufgemalte Comic-Hände ormen ein Herz, , rotes Herz, klare Linien, spontan wirkend.  
			links unten am Kasten kleine Zeichnungen, einer Comic Figur - unter den Händen in Blauer Schrift eine Grafite- Schriftzug unleserlich

    - Rechts: und gesamter Hintergrund bis Links:  braune Wand - Eine Hecke. - Fast lückenlos nur hinter dem Wohlplakat sieht man einen Lattenzaun -  
			dahinter Fensterläden eines Wohnhausen, das Dach, zwei Nadelbäume angeschnitten.  

Bild recht hell, Wenig Kontraste - keine Schatten
Foto: Oliver Schlecht

Diese Episode ist wieder mal eine besondere Folge und länger als normal. Zum ersten Male geht es nicht um ein Bild sondern um eine ganze Bilder-Serie.

Schreibt doch bitte mal in die Kommentare wie euch die Episode gefallen hat und ob es zukünftig vielleicht öfter um Bilder-Serien gehen soll. Danke.

Shownotes

Teilnehmer diese Episode:

Michael Koopmann
Oliver Schlecht


⛓️‍💥Links zur Episode:

Foto-Blogs

Fotografieren in Serien

Misc



Zum Podcast

🎧  Mehr erfahren & mitmachen:

Wenn du das Bild zu dieser Episode sehen (mit EXIF-Daten), meinem Gast einen Kommentar hinterlassen oder deine Meinung schreiben willst kannst du dies auf der Episoden-Webseite:

👉  bilderzeigen.de

Du möchtest selbst mal ein Bild mitbringen und im Podcast vorstellen? Dann schreib mit unter:

📭  bilderzeigen.de/kontakt/



🧔  Bilderzeigen.de und dieser Podcast sind ein Projekt von Michael Koopmann

  • 🗒 Weiter Infos zu mir, meinen Fotoprojekten und meine Gedanken gibt es auf meinem Blog auf-kurztrip.de und michaelkoopmann.de
  • 📺 Lust auf mehr Bilder schauen? Jeden letzten Mittwoch im Monat findet der ‚Virtuelle Bilderabend‘ als Livestream auf YouTube und im Fediverse auf Makertube statt. Weitere Infos unter bilderabend.de
  • 🌍 Links zu tollen Bilder-Webseiten und Blogs findest du unter bilderlinks.de
  • 📅 Eine Übersicht von Fotografie-Veranstaltungen findedt du unter bildertermine.de

Ich freue mich auf deine Kommentare, Anregungen, Gedanken – und natürlich auf dein Bild für den Podcast. Bitte bewerte und kommentiere den Podcast bei Apple Podcast, Spotify, YouTube und den weiteren Portalen.

Vielen Dank. Bis zur nächsten Episode am kommenden Mittwoch!



📄  Zusatzinfos:

Diese Episode ist erschienen am 27.05.2026 und wurde aufgenommen am 26.03.2026.

Das Titel-Bild und die Figuren wurde per KI ‚ChatGPT‘ generiert. Die Titel-Melodie „Der weite Blick“ wurden von M. Koopmann mit der KI musichero.ai generiert. Alle Bilder im Podcast sind echte Fotografien soweit nicht anders gekennzeichnet.

Der Podcast bietet Kapitelmarken mit Bildern, ein vollständiges Transkript mit Zeitmarken und Sprechern sowie weitere Zusatzinfos. Am besten nutzt du Apps wie Pocket Casts, Overcast, Instacast und andere sog. ‚Podcatcher‘ Apps, die diese Inhalte anzeigen können.

Die Episoden der zweiten Staffel sind zusätzlich auch als Video auf YouTube und im Fediverse auf Makertube abrufbar.

Transkription der Episode anzeigen
Michael Koopmann
Willkommen bei Bilder und Geschichten. Bilder zeigen und dokumentieren unsere Welt. Sie sind unglaublich wichtig, um Geschehen greifbar zu machen. Sie können Wahrheiten enthüllen oder täuschen, große Macht entfalten oder spurlos verblassen. Doch jedes Bild bewirkt etwas, wecken Gedanken, Emotionen, Fragen. In diesem Podcast spreche ich jede Woche mit einem Gast über eins seiner Bilder. Und diese Folge geht sogar über ein Bild hinaus. Sei gespannt und Und natürlich schön, dass du dabei bist. Ich freue mich, in dieser Folge wieder einen wunderbaren Fotografen hier bei mir in meinem kleinen Studio zu haben. Und das ist diesmal der Oliver Schlicht. Hallo Oliver, schön, dass du da bist.
Oliver Schlecht
Grüß dich Michael, vielen Dank, dass ich hier sein darf.
Michael Koopmann
Du hast mich angeschrieben, ob wir mal was probieren wollen, denn du bist ein Fotograf, der eigentlich in Serien mehr denkt und hast so ein bisschen was mitgebracht, ob wir das nicht irgendwie hier in dieses Podcast-Format reinbringen können. Und da ich ja auch so ein bisschen aus der Reportagefotografie komme und auch gerne mehrere Bilder mache, finde ich das eine gute Idee, ob wir das mal probieren und deswegen machen wir heute mal eine Test-Episode und gucken wir mal, ob wir sowas hier irgendwie in den Podcast reinbekommen. Aber erstmal ja kurz zu dir. Ja, wir haben uns kennengelernt. Ich habe gerade noch mal versucht, es zu nachzufragen, eigentlich über das Fediverse. Also Mastodon sind wir irgendwie mal übereinander gestolpert. Und weil du einen schönen Fotoblog hast. Ja, aber stell dich doch einfach selbst noch ein bisschen vor.
Oliver Schlecht
Ja, danke Michael. Ja, korrekt. Ich glaube, ja, ich bin irgendwie über deinen Namen gestolpert. Kurztrip. Und da Reisen auch ein wichtiges Thema in unserem Familienleben ist. Irgendwie. Und dann deine Blogposts und deine Bilder von den Reisen. Irgendwie da ist immer drüber gestolpert. Ja, wer bin ich? Ich bin Oliver Schlecht, auch Olli genannt. Wohne in München seit sehr, sehr langer Zeit. Zwischenzeitlich wohne ich länger in München, als dass ich in meiner Heimat Stuttgart gelebt habe. Ich habe sozusagen die Einbürgerung nach Bayern geschafft und habe jetzt auch eine Lederhose. Ich bin Fotograf, jetzt nicht beruflich, sondern ambitionierter Fotograf. Das heißt, neben einem normalen Haupt-Develops-Job, den ich nachgehe im Bereich der IT, im weitesten Umfeld der IT, versuche ich mit der Fotografie so ein bisschen einen Ausgleich zu schaffen, neben Arbeit, Familie, sonstigen Dingen, die man so tun muss. Das ist dann so die Fotografie womit ich losziehe und den Kopf frei bekomme.
Michael Koopmann
Ja, dafür ist Fotografie ja so schön. Einfach die Kamera schnappen und mal irgendwie losziehen und irgendwas mit dieser Kamera machen tue ich ja auch sehr sehr gerne. So, jetzt läufst du aber nicht nur mit der Kamera rum und machst Bilder, sondern du zeigst sie auch. Das ist ja hier mein Motto, weil Bilder gezeigt werden wollen und du machst das in deinem Blog. Jetzt muss ich dir mal gucken, ob ich das richtig sagen kann. Shashindo.
Oliver Schlecht
Shashindo ist eine Anlehnung ans Japanische. Ich habe lange Zeit Aikido gemacht. Das Do ist der Weg und Shashin ist die Fotografie. Also eine Anspielung an die, sagen wir mal, japanische Weg dessen, etwas zu tun, ob das jetzt die Bewegung ist oder auch die Fotografie, je nachdem, wo man nachgeht, eben dann Shashindo als mein persönlicher Fotografieweg.
Michael Koopmann
Das ist ein wirklich sehr schöner Name. Und wer jetzt da draußen sagt, ein Fotoblog, was soll das denn sein? Der muss sich unbedingt mal mit diesem Thema beschäftigen und gerne mal bei mir auf bilderlinks.de auf die Seite schauen, denn dort sammle ich solche Seiten. Und ja, ein Fotografie-Blog ist halt eine schöne Möglichkeit, ein Bild, mehrere Bilder mal zu zeigen, dazu seinen Text zu schreiben, seine Geschichten mit aufzuschreiben und so ein Bild dem notwendigen Raum zu geben. Also genau das Entgegengesetzte, was eigentlich gerade Instagram macht, wo so ein Bild nur eine Sekunde mal über den kleinen Bildschirm huscht.
Oliver Schlecht
Korrekt. Das ist auch der Grund für mich, warum ich auf den sozialen Medien nicht ganz so sehr vertreten bin. Natürlich habe ich einen Instagram-Account, aber der wird jetzt nicht so bespielt. Aber für mich ist es ein ganz wichtiges Thema, meine Bilder auch mit einer Geschichte zusammen darzustellen zu können. Und das mache ich schon seit lange Zeit. Also ich blogge schon Ewigkeiten eigentlich gefühlt und habe das auch nie aufgehört, auch nicht zu Zeiten, als wir alle auf Facebook und ähnlichen Plattformen rumgesprungen sind. Der Blog bleibt meine Heimat.
Michael Koopmann
Sehr vorbildlich und ich finde es immer noch eines der schönsten Wege, wie man im Internet halt irgendwo mit der Fotografie oder überhaupt mit Geschichten umgehen kann. Es gibt ja gerade so eine kleine Renaissance des Blogs und vielleicht fühlt sich ja der eine oder andere Hörer gerade da draußen angeschwungen, vielleicht auch mal sich sowas anzuschauen. Aber Blog ist genau das Stichwort, denn du hast mir ein paar Links geschickt, über was wir denn heute sprechen sollen. Und ich habe mir da einen Post rausgesucht, der mich natürlich sehr angesprochen hat, denn der Titel ist Demokratie in bewegten Zeiten. Der ist eigentlich schon aus dem letzten Jahr, 2025. Aber ja, wer sich die aktuelle Weltlage anguckt, immer noch hochaktuell und der Text passt immer noch genauso wie im letzten Jahr. Die Bilder, würde ich sagen, sprechen auch immer noch genauso, aber erzähl mal ein bisschen, was du da geschrieben hast oder worüber diese Blogpost geht.
Oliver Schlecht
Also vielleicht kurz zum Setup. Ich gehe sehr gerne auf Fotoworkshops, auch bei der Volkshochschule. Natürlich mit dem Sinn, neue Impulse zu bekommen oder auch andere Fotografen kennenzulernen, aber vor allen Dingen, um Zeit zu bekommen, ein bisschen aus der Familien und sonstigen Umgebung auszubrechen und einfach mal sich mit dem Thema intensiv zu beschäftigen. Und in dem besagten Workshop, wo ich da gewesen bin, ging es um ein fotografisches Essay und wir wurden für verschiedene Aufgaben gestellt. Und das war kurz vor der Bundestagswahl 2025, im Februar war die, glaube ich, es war kalt. Und ich war damals emotional sehr, sehr, sehr mit dem Thema verbannt und sehr emotional aufgeladen. Und für mich war klar, ich will irgendwas zum Thema Demokratie machen. Und bin dann mit meiner Kamera losgezogen und habe in einer Gemeinde, in der ich nicht wohne, Bilder gesucht, die zum Thema Demokratie stehen. Und habe einfach wie ein kleines Trüffelschweinchen durch dieses beim Laufen Themen gesammelt, Bilder gesammelt. Und mit jedem Schritt, mit jedem Bild wurde dann für mich das Thema immer stärker und immer klarer. Und hat sich immer mehr zu diesem, auch diesem Texte dazu gehört, dann herausgearbeitet.
Michael Koopmann
Den Link natürlich zu dem Blogpost werdet ihr in den Shownotes finden und ich habe mir jetzt gerade so ein bisschen überlegt, wie wir denn an dieses Thema rankommen und ich habe mir jetzt einfach mal ein Bild rausgepickt, dass wir, wie hier im Podcast gewohnt sind, mal einfach besprechen werden und von da gucken wir dann mal, wie wir zu den anderen Aufnahmen kommen und das Thema werden wir mit Sicherheit so oder so an vielen Ecken dann angreifen können. Denn ich habe mir ein Bild ausgesucht, das das Thema sehr gut zeigt. Ich würde es gleich beschreiben. Erzähl du mal, wie du zu diesem Foto denn gekommen bist und dann mache ich gleich die Bildbeschreibung.
Oliver Schlecht
Also wie gesagt, hat mich die Situation damals sehr, sehr bewegt. Für derjenige, der es schon verdrängt hat, vielleicht kurz zur Erinnerung. Die große Koalition zwischen SPD und Grünen ist im Spätherbst, Winter 2024 zerbrochen. Es wurden Neuwahlen angesetzt und es gab einen Wahlkampf, der sehr stark damit geprägt war, dass auf einzelne Personen sehr stark, sagen wir mal, also ich will nicht sagen unfair, aber zumindest sehr laut drauf gehauen wurde. Und zwar in alle Richtungen, mit vielleicht der einen oder anderen kleinen Ausnahme. Das ganze Thema hatte mich sehr bewegt, weil ich immer mehr das Gefühl hatte, dass das, was eigentlich der demokratische Diskurs ist, den wir leben sollten, eigentlich hier gar nicht stattfindet. Da wird nicht über Sachen gesprochen, da wird nur noch über Emotionen gesprochen. Da wird nicht darüber diskutiert, wie man die beste Lösung hinbekommt. Es werden nur noch Eigeninteressen und Randinteressen oder Maximalinteressen vertreten. Und das hat mich damals sehr, sehr bewegt. Das hat mich auch belastet. Wie gesagt, ich bin aus diesem Workshop raus mit der Kamera in der Hand und bin durch diese mir fremde Gemeinde gelaufen und das war vielleicht das vierte Bild oder sowas und da hat es dann auch final Klick gemacht und ich habe gewusst, was ich eigentlich machen möchte. Nämlich diesen Kontrast, diesen Spannungsfeld zwischen zwei Dingen darzustellen, die eigentlich sich ganz gut vereinbaren lassen, wenn man den Kompromiss sucht oder wenn man über den Tellerrand hinausdenkt und ein bisschen toleranter ist und andere Meinungen stehen lässt.
Michael Koopmann
Das heißt, du hast ja gerade schon gesagt, die Idee ist aus dem Workshop rausgekommen. Hattest du, als du losgelaufen bist, schon Bilder vor Augen oder irgendwie so einen Schlachtplan, den du dir gemacht hast? Oder bist du erst mal mit der Kamera los und hast dich mal treiben lassen?
Oliver Schlecht
Also außer dem Thema war nichts in meinem Kopf. Also das Thema war für mich, weil es mich eben so bewegt hat, so ganz klar, da will ich was tun. Wie das konkret aussieht, was ich jetzt damit konkret mache, dass es sich wirklich durch die Gegend laufen und sich auf die Situation und die Möglichkeiten und die Bilder einzulassen, ist das Ganze entstanden.
Michael Koopmann
Dann bist du halt durch deine Gemeinde gelaufen und bist halt über dieses Motiv gestolpert, denke ich mal. Ich versuche es mal für da draußen zu beschreiben, damit alle, die jetzt hier den Knopf im Ohr haben und uns zuhören, so eine grobe Idee haben, was wir denn hier gerade sprechen. Wir sehen ja eine dörfliche Szene. Wenn wir von links gucken, sehen wir als erstes ein Straßenschild. Das ist anscheinend ein Fußgängerweg, denn dieses Schild sagt halt, dass es einmal für Fußgänger ist. Unten drunter Fahrradfahrer frei und unten diesem Straßenschild steht es halt, wie es so in Wahlkampfzeiten ist. Ein Wahlkampfplakat, relativ tief, das ist ein grünes Plakat, darauf sehen wir halt ein Porträt, Robert Habeck ist das und dann in großen Buchstaben Zuversicht, Punkt. Wenn wir von da dann weiter in die Mitte gucken, weiter nach rechts, sehen wir dann einen klassischen Stromkasten, Verteilerkasten, was auch immer da nachher drin ist. Aber auf jeden Fall diese grauen Kästen, die halt ober so an den Straßenecken stehen. Und dieser Kasten hat auch ein Graffiti bekommen, wie es so oft ist. Und ja, das Graffiti sind aufgemalt, so Comic-Hände, so Handschuh-Hände. Ich würde mal sagen, das ist irgendwie mit dem Edding aufgemalt worden, so sieht das irgendwie. Und diese beiden Hände formen ein Herz und halt dieses geformte Herz der Hände ist dann nochmal rot ausgemalt, sodass man halt dann wirklich schön diese Herzstruktur sieht. Ja, darunter sind noch ein paar andere Schmierreihen, so ein kleines Gesicht, was irgendwie gemalt wurde, dann in blauer Schrift irgendwas, was ich nicht so ganz entziffern kann. Das ist halt die zentrale Bildmitte. Und wenn wir jetzt dann weiter nach rechts gucken, dann sehen wir im Endeffekt ja eine Hecke, die im Endeffekt über die ganze Bildseite geht, hinter diesen Kasten ist, hinter dem Wahlplakat ist. Und ja, sehr braun ist. Ziemlich heruntergekommen, so ein bisschen aussieht und ja fast so eine richtige braune Wand ist, bis auf hinter dem Wahlplakat, so ein kleines Loch, wo wir einen Lattenzaun sehen. Ja und dann, wenn wir auf die obere Bildhälfte gucken, sehen wir im Endeffekt so ein klassisch bayerisches Wohnhaus, würde ich mal sagen, mit relativ breit Fensterläden, die offen sind und davor irgendwie zwei Nadelbäume, die halt so ins Bild mit reinragen. Das, würde ich sagen, ist das Bild. Wie bist du denn zu diesem Motiv gekommen?
Oliver Schlecht
Ich bin eigentlich nur rumgelaufen und habe die Augen offen gehalten und habe dieses Bild gesehen und es ist eben dieser eigentlich Widerspruch. Wir haben auf der einen Seite haben wir diesen Politiker, der sich zur Wahl steht und damit ja unsere Legislative dann vertritt. Und wir haben auf der anderen Seite ein Infrastrukturobjekt, das von jemandem mit einer Graffiti eigentlich beschmiert und damit eigentlich auch beschädigt hat. Das ist eine Sachbestätigung, wenn man das tut und wer da gefunden wird, der wird auch mit Sicherheit angezeigt werden und muss da die Konsequenzen tragen. Und ich fand diesen Kontrast zwischen dieser Sachbeschädigung, die sieht jetzt nicht schlimm aus, also ich habe schon schlimmere Graffitis gesehen, aber sie ist per se einfach eine Sachbeschädigung. Und daneben der Politiker, der für das Gesetz steht im weitesten Sinne, auch noch mit dem Schriftzug Zuversicht, eigentlich ganz treffend, weil natürlich kann man jetzt jeder Graffiti nachgehen oder man kann jedem Graffiti jetzt irgendwie was Böses anhängen. Ja, man kann es beschreien, man kann darüber lamentieren, man kann diese Menschen irgendwie verurteilen oder stigmatisieren. Man kann aber auch einfach sagen, ja, ist okay, passiert, ist da, kann man jetzt nichts dran ändern und es gibt was Wichtigeres, größere Dinge, wo man eben, und da fand ich auch diesen Spruch oder diese Textzeile, sehr treffend mit Zuversicht umgeht. Denn auch dieses Graffiti hat ja was Positives. Also auch wenn der Künstler, der das Graffiti gemacht hat, hat ja auch eine Aussage treffen wollen. Ob die jetzt absichtlich auf dem Telekommunikations- oder Stromkasten ist, weiß ich nicht, aber er hat eben die Fläche genommen und hat was Positives gemacht. Und ich fand das ganz treffend, dass man so Widersprüche, die im weitesten Sinne mit dem Thema Gesellschaft und Politik zu tun haben, hier auf einem Bild hat. Man kann das Ganze jetzt noch ein bisschen weiter treiben. Also diese braune Hecke, es war Februar, die war eben schon ein bisschen nicht wieder grün, hat natürlich auch was farblich mit einer politischen Aussage zu tun. Und diese beiden Dinge stehen davor. Sie glänzen, sie sind hell, sie ragen heraus. Oder auch der Kontext zwischen dem ländlichen Haus, das im Hintergrund steht, Und das ist tatsächlich im oberbayerischen, was sehr, sehr konservativ ist. Und dann habe ich davor einen Politiker, der eher linksliberal ist. Auch da gibt es wieder Kontraste. Und diese Kontraste, die haben mich einfach angesprungen. Ich sage, okay, jetzt musst du noch den richtigen Winkel finden. Und wie machst du es? Und Dritte Linie hier, Dritte Linie da. Und dann war das eigentlich relativ schnell im Kasten. Ich glaube, ich musste einmal von der Straße runter, sonst wäre ich nur überfahren worden. Aber ansonsten war das relativ schnell im Kasten. Und so bin ich dann eigentlich auch weitergezogen durch diese Gemeinde und habe weitere solche Momente gesucht, wo ich so einen Kontrast gesehen habe.
Michael Koopmann
Was sich auch noch durch deine Fotos durchzieht, was ich gerade vergessen habe zu erwähnen, dass dieses Bild jetzt auch einen relativ hellen Charakter hat. Es ist auch so, ich würde sagen, leicht entsättigt, wenig Kontraste, wenig Schatten drin und so jetzt auch gar nicht irgendwelche Farben groß hervorhebt. Also weder das braun noch halt irgendwo und die Farben halt vom Wahlplakat, eigentlich das Herz halt mit seinem Rot kommt halt relativ gut durch, weil das Rot halt jetzt einfach auch hervorsticht.
Oliver Schlecht
Er ist aber kein Colerkin, nicht, dass ich jetzt hier in die Ecke gestellt werde.
Michael Koopmann
Um Gottes Willen.
Oliver Schlecht
Hat mit Sicherheit mit der Technik zu tun. Ich arbeite mit so JPEG-Rezepten und ich habe da mit Sicherheit wieder mal eins ausgewählt, was so ein bisschen Retro-Style hat und deswegen kommt es vielleicht ein bisschen so rüber. Es war vielleicht unterbewusst, dann die Entscheidung über den Filmtyp dann daran noch Einfluss zu nehmen. Aber es war eher unterbewusst.
Michael Koopmann
Was mir in diesem Bild ja extrem zugesagt hat, ist ja diese Aussage. Also ich sage mal, an Wahlplakate erinnert man sich ja selten im Rückblick und gerade in aktuellen Zeiten finde ich die Aussagen auch irgendwie immer dünner. Aber wenn man das jetzt im Kontext zu jetzt sieht und ich weiß nicht, wann diese Folge wirklich erscheinen wird und die Welt ist so verrückt, dass wahrscheinlich bis dahin schon wieder sehr viel passiert ist. Aber im Gegensatz zu 2025 beim Wahl ist die Welt ja jetzt gerade eine ganz andere. Und dieses Wort Zuversicht und auch dieses Herz spricht mich gerade einfach sehr an. Denn ich glaube, das ist gerade das, was wir alle sehr gut gebrauchen können. Und irgendwie den positiven Blick zu behalten, egal was wir gerade denken. Und natürlich mit dem Thema Demokratie gerade insbesondere, Weil da ist doch an sehr, sehr vielen Ecken gerade, ja, brückelt oder wenn wir halt hier unsere Hecke nehmen, die leider immer dichter wird und immer brauner.
Oliver Schlecht
Ja, und das zieht sich dann und deswegen ist es ein bisschen jetzt eine andere Folge, weil es ja eine Serie ist. Also es ist ja nicht ein Bild, das ich jetzt dazu gemacht habe. Das hätte vielleicht schon ausgereicht, aber für mich war, ich bin eher so in Serien denkend, weil ich für mich noch nicht geschafft habe, alles in einem Bild auszudrücken. Und auch die weiteren Bilder oder der Text mauern das eigentlich, dass dieses Thema Demokratie, was wir uns in Europa vor 80 Jahren sehr hart erkämpft haben, in anderen Ländern schon früher, in Deutschland ein bisschen später, in anderen Ländern mit weniger Schmerz, in manchen Ländern mit sehr viel mehr Schmerz, dass dieses Thema Demokratie oftmals als so gegeben hingenommen wird. Und das ist es nicht. Demokratie ist eben ein harter täglicher Kampf, den wir führen müssen, indem wir Kontraste aushalten, indem wir versuchen, von verschiedenen Positionen auch mal den Mittelpunkt zu finden. In dem Kompromiss die beste Lösung aus allen Seiten nehmen, vielleicht auch mal einen Schritt zurückgehen und nicht alles durchsetzen, was man möchte, aber im Kompromiss eben dann die beste Lösung für alle zu erarbeiten, in einem täglichen Diskurs, in einem täglichen Gespräch, tägliche Diskussion und dazu gehört es eben auch, sowas auszuhalten, dass ja, deine Graffiti ist und ich es nicht wegmachen kann oder will oder muss oder es auch vielleicht, wenn es jetzt, Und Herz ist ja sehr schön, vielleicht auch akzeptieren kann, dass es da ist. Und so zieht es sich ein bisschen durch die Serie durch, mit den anderen Bildern auch, dass ich immer sage, Mensch, da ist etwas passiert, das ist per se nicht schlimm. Es gehört halt dazu. Oder manche Dinge wirken einfach so, aber das ist nicht das, was dahinter steht. Demokratie ist das, wo wir alle mitarbeiten müssen und wenn wir uns nicht daran beteiligen und da auch Zeit und Energie reinbringen in Vereinen, in Organisationen, dann wird diese Gesellschaft nicht funktionieren, weil eine Gesellschaft aus Egoisten ist nun mal keine Demokratie. Und das hat mich damals so stark bewegt, dass es eben zu der Serie und auch zu dem sehr langen Text gekommen ist.
Michael Koopmann
Ja, ich finde gerade dieses Thema Kompromiss halt so wichtig darzustellen, denn wenn man mit mehreren zusammen ist, wird es immer auf einen Kompromiss hinauslaufen und es ist halt immer nicht dann das, was wahrscheinlich jeder haben will, sondern halt irgendwo ein gemeinsames Thema und jeder muss halt irgendwo zurückstecken. Und ja, durch hier Social Media und vieles, was halt so gerade so im Internet gerade abläuft, wird ja immer nur noch besondere Sachen rausgeholt und so getan, als ob es nur noch eine Meinung gibt und wenn ich jetzt nur mal auf uns Fotografen gucke, da ist es ja sehr ähnlich, dass auch da es immer nur die eine Kameramarke gibt, mit der man was auch immer machen kann, und auch da irgendwie nicht mehr oder viel auch schwer sich tun, da einen Kompromiss einzugehen Oder einfach es hinzunehmen, dass man vielleicht ein Foto mit jeder Kamera machen kann. Aber ich will jetzt nicht so technisch werden hier, will ich ja nicht. Wenn ich jetzt auf den Serien gucke, also ich bin ja auf deinem Blog gerade. Da sind jetzt, ich würde sagen, es sind glaube ich zwölf Bilder, wenn ich richtig gezählt habe. Und wenn ich dort durchscrolle, sind das Bilder, die jetzt auch ganz verschiedene Themen sind. Ich sage mal, wenn man als erstes so mit dem Bild, wo wir jetzt eingestiegen sind, wenn man denkt, naja gut, dann nimmt man halt ober so ein Wahlplakat rein. Und oft haben diese Wahlplakate ja auch so einen unfreiwilligen Humor, wenn die dann irgendwo mit irgendwas kommunizieren in der Umgebung. Aber du hast jetzt sehr viele Bilder auch oder Motive rausgesucht, die halt einfach, ja, mit diesem Thema Demokratie halt kommunizieren. Erzähl mal da, was du da dir beigedacht hast bei diesen Aufnahmen.
Oliver Schlecht
Also es sind sechs Hauptbilder, die ich ausgewählt habe, um das auch fokussiert zu halten. Ich habe nur unten noch die reingenommen, die jetzt nicht aktiv gezeigt werden, so als hey, das ist auch noch eigentlich dabei gewesen. Und wenn wir da weitergehen, ist das zweite Bild, zeigt den Eingang zum Rathaus. Und der Eingang zum Rathaus ist so eine klassische Türe, aber durch die Gestaltung dieser Fassade um die Türe herum und auch die Türe selber hat es einen sehr starken Gefängnischarakter. Und es ist ein Rathaus für die Bürger da und trotzdem wirkt es verschlossen. Und auch da ist wieder ein Widerspruch in sich da. Also eigentlich müssen die Türen ja offen sein. Natürlich arbeiten die Menschen samstags nicht. Also es muss natürlich verschlossen sein am Wochenende, weil es ja nur zu Öffnungszeiten offen ist. Aber dieser Widerspruch, dass das Rathaus, das für Bürger da ist, so verschlossen wirkt durch diese Außengestaltung, fast schon wie eine Gefängnistüre. Und da kommt auch immer der Untertitel dann zum Bild dazu, für die Bürgerin da zu sein, auch wenn es verschlossen wirkt. Und so hat sie das für mich weitergesponnen. Ich bin dann weitergekommen, bin an der Feuerwehr vorbeigekommen, ein klassisches Feuerwehrgebäude aus den 70ern, 80ern, irgendwie sowas um den Dreh rum und eine Tür ist offen. Weil eine Feuerwehr nur funktioniert, auf jeden Fall in den ländlichen Gemeinden, wo sie freiwillig organisiert ist, wenn Menschen freiwillig dahin gehen und sehr, sehr viel Zeit investieren. Nicht nur zur Instandhaltung oder bei Übungen, sondern auch beim Einsatz und das Ganze unentgeltlich. Das heißt, die lassen dann den Maus fallen in der Arbeit, rennen zur Feuerwehr, gehen in den Einsatz und kommen später zurück. Und sowohl der Arbeitgeber, die Feuerwehrleute müssen das quasi tragen. Da wird niemand bezahlt dafür. Das ist freiwilliges Engagement. Und nur so funktioniert eine demokratische Gesellschaft. Ein anderes Bild ist der klassische Mülleimer, den wir alle kennen, der überfüllt ist. Und eine kleine Hundetüte liegt halt daneben. Ja, kann ich mich jetzt richtig drüber aufregen. Ich kann es aber auch in die Hand nehmen oder drauflegen. Oder ich kann es einfach sagen, na gut, dann liegt er halt ein. Also er hat es ja versucht, es ging ja nichts mehr rein. Was soll er denn tun? Okay, er kann es noch mit heimnehmen. Also mal die Fünfe gerade sein lassen, auch das ist ein Teil von demokratischer Gesellschaft, solange das keine Ordnungswidrigkeiten oder Gesetzwidrigkeiten sind im größeren Maße. Also das ist jetzt für mich so ein Bagatellthema. Und das ist eben, wo manche Menschen, glaube ich, das Maß verloren haben zwischen 5 Grad sein lassen und, naja, aber hier müssen wir es schon richtig machen. Anderes Bild, Parkplatzsituation mit einem wirklich sehr, sehr, sehr großzügigen Behindertenparkplatz und einem Fahrrad. Und das ist eben das Thema Inklusion. Also auch diese Verkehrsteilnehmer an dieser Straße haben das Recht, an diesem Verkehr teilzunehmen. Ob sie jetzt einen Rollstuhl brauchen mit einem speziell umgebauten Fahrzeug und deswegen mehr Platz brauchen, um diesen Rollstuhl mit irgendwelchen Mechaniken aus dem Kofferraum rauszuholen. Deswegen so ein großer Park, was wirklich sehr viel Sinn macht. Oder das Fahrrad mit dem Fahrradanhänger für das Kind, das eben da auch steht auf dem relativ breiten Gehweg und auch Platz dafür hat. Das ist eben Inklusion und die gehört auch zur Gesellschaft dazu, dass alle beteiligt sein müssen. Vielleicht noch zum letzten Bild aus der Serie. Das ist ein bisschen komplizierter und mehrschichtiger. Gesellschaft ist auch Kultur, denn Kultur ist etwas, was unsere Gesellschaft prägt. Also es ist nicht unüblich, dass demokratische Gesellschaften oder vor allen Dingen nicht demokratische Gesellschaften durch einen Kulturbetrieb reflektiert und gespiegelt werden. Ob das jetzt der Zyniker ist, der irgendwie über die Politik herzieht oder die Musiker, die mit entsprechenden Texten einwirken. Also hier ist Kultur immer ein Spiegelbild der Gesellschaft und ein Spiegelbild der Politik und dient zur politischen Meinungsbildung dazu. Und wir sehen auf diesem letzten Bild, wie gesagt, ein bisschen mehrschichtig, deswegen ein bisschen schwieriger, ein Ausschnitt von einer Litfaßsäule, auf dem ein Plakat von einem in München sehr bekannten Kabarettisten ist, Axel Hacke. Und im Hintergrund sieht man in einem Spiegel von einem Geschäft einen Transporter, wie wir ihn alle kennen, der verwendet wird, wahrscheinlich Pakete auszufahren. Und dahinter ein Wohngebäude, also kein Einfamiliengebäude. Also wir schauen so durch den Spiegel eigentlich auf die Gesellschaft, die wir haben und sehen den Axel Hacke. Und ich würde bezweifeln, dass jeder der Bewohner in diesem Haus Axel Hacke kennt oder sich ein Ticket leisten kann. Und das ist eben auch ein Thema von Demokratie, dass wir den Kulturbetrieb nicht teuer machen dürfen, weil wenn Kultur exklusiv wird und nur noch für die Eliten da ist, dann nehme ich dem Volk was weg. Ich nehme den Menschen weg, dass sie sich mit beschäftigen können, was diese Kabarettisten durch den Spiegel wie einen Tillen-Eulen-Spiegel, den sie vor die Gesellschaft oder die Politik halten, kritisieren wollen. Und das war auch so ein Thema. Also das ist ein sehr vielschichtiges Bild, das gebe ich zu.
Michael Koopmann
Deswegen würde ich auch nochmal kurz allen sagen, die jetzt da draußen sich gerade denken, was wird denn da erzählt? Und das möchte ich jetzt gerne genauer wissen. Ich verzichte jetzt explizit darauf, die jetzt auch nochmal alle genau zu beschreiben. Das wird, glaube ich, hier den Rahmen einfach springen. Wenn wir gleich hier fertig sind und ihr euch diese Podcast-Episode angehört habt, dann überlegt euch mal, wann ihr euch ein bisschen Zeit nehmt. Am besten irgendwie hier so eine schöne Tasse Tee, wie ich sie gerade habe, setzt euch vor den Rechner mit einem großen Bildschirm und dann scrollt man durch diesen Blogbeitrag und guckt euch da ganz in Ruhe die Bilder an, denn dann kann man das in Ruhe auf sich wirken lassen. Und wir haben jetzt einfach den Moment nochmal ein bisschen euch dazu erzählen und ihr könnt dann nachher einfach in diese Bilder einsteigen. Wenn ich jetzt so durch die Bilder hier durchscrolle, sehe ich ja so eine allgemein, oder was diese Bilder gemein haben, ja, dass so ein bisschen ja die Tristesse des, ja, bei dir dann jetzt irgendwie bayerischen Vorortes oder bayerischen Ortes, aber das könnte mir sicher halt überall genauso aussehen. Und jedes Bild hätte jetzt ja auch irgendwie so einen Diskussionsbedarf, wo man sich jetzt, keine Ahnung, der Wutbürger darüber aufregen könnte, dass jetzt der Mülleimer voll ist oder dass halt die Tür am Rathaus so hässlich ist oder das Kulturprogramm halt das Falsche ist. Wo man natürlich jetzt auch darüber viel fordern könnte, da muss jetzt was geändert werden und das muss genauso sein, wie ich es haben möchte. Aber da sind wir ja wieder bei dem Punkt, dass alles halt ein Miteinander braucht und in Zweifelsfall auch eine Mitgestaltung und man halt die Sachen halt a, nicht alles gut finden muss, was man so sieht und natürlich auch mitgestalten muss, im Sinne von es besser zu machen und wenn der Mülleimer halt voll ist, vielleicht den Müll halt mal mitnehmen oder den Mülleimer nicht komplett voll machen oder halt notfalls auch einfach nur mal Bescheid sagen, dass er halt mal wieder entsorgt werden muss, um eins dieser Beispiele zu nehmen. Und ja, ich glaube, das können wir auch ganz gut auf unser Tun in der Demokratie dann wieder mitnehmen. Auch da müssen wir halt mehr tun, als nur hier rumsitzen und darauf hoffen, dass alles besser wird.
Oliver Schlecht
Ja, könnte ich genauso unterstreichen.
Michael Koopmann
Jetzt kann man darüber diskutieren, ob ein paar Fotos die Welt besser machen werden. Nein, wir werden mit Sicherheit dadurch nicht die Geschehnisse in der Welt komplett ändern können. Aber ich denke mal, wenn wir uns alle so ein bisschen mehr damit beschäftigen und dann vielleicht auch unseren Blogpost machen oder unseren Podcast oder auf Social Media oder irgendwo was machen, den Schmetterling, wenn wir den nehmen, kleinen Flügelstark gemacht und dann vielleicht dann zusammen ein bisschen was wieder in der Welt geändert.
Oliver Schlecht
Das war vielleicht so das tiefere Ziel mit meiner sehr begrenzten Reichweite, ein paar Menschen einfach darauf aufmerksam zu machen und vielleicht den Anstoß zu geben, sich zu beteiligen. Wie gesagt, ob man jetzt als Übungsleiter im Sportverein tätig ist, bei der Feuerwehr oder sich vielleicht auch in einer demokratischen Partei organisiert. All das ist wichtig. Und ich schätze jeden, der sich einbringt und seine Zeit dafür aufbringt, um mit anderen Menschen etwas zu tun, was für das Gemeinwohl, sage ich jetzt einfach mal, wichtig und richtig ist.
Michael Koopmann
Definitiv und gerade wenn ich jetzt Kommunalpolitik nehmen würde oder was halt überhaupt so Sachen vor Ort, das macht mit Sicherheit vieles auch absolut keinen Spaß und gerade den Kompromiss finden, den kleinsten Kompromiss zwischen ganz vielen Leuten ist halt auch ein Prozess, der sehr wehtut. Und ja, ich würde da mal wieder auch unsere Fotografie nehmen halt. Sucht mal ein Bild aus, aus den Tausenden, den ihr da habt. Auch das ist ein sehr, sehr schmerzvoller Prozess, dann da den Kompromiss zu finden. Was will man denn zeigen?
Oliver Schlecht
Ja.
Michael Koopmann
Jetzt würde ich, ich gucke so ein bisschen mit Angst hier gerade auf unsere Zeit, aber wir nehmen uns mal heute einfach ein bisschen mehr Zeit hier in der Podcast-Folge. Jetzt für so eine Serie, was würdest du denn als Tipp mitgeben, wenn es da draußen einer sich denkt, naja, es muss nicht nur ein Bild sein, nicht nur das Instagram-Foto, sondern ich möchte mich auch mal mit dem Thema tiefer beschäftigen. Wie geht man am besten vor, so eine Serie zu machen?
Oliver Schlecht
Oh, ich bin jetzt kein ausgewiesener Experte oder habe darüber Bücher geschrieben.
Michael Koopmann
Das ist ja nie einer im Podcast.
Oliver Schlecht
Deswegen darfst du frei raus.
Michael Koopmann
Und wer es besser weiß, darf dann in die Kommentare schreiben.
Oliver Schlecht
Es gibt da, glaube ich, etablierte Konzepte. Ich habe da ein Buch da liegen, wo das alles beschrieben ist. Ich habe da Impulse mitgenommen, gehe aber in der Regel für mich eigentlich eher intuitiv ran. Wenn ich was gelernt habe über Serien ist wenn man an so einem Thema arbeitet mit einem Überthema und man möchte das Überthema bebildern, man braucht viele Bilder man muss viel sammeln also ich neige dazu eher zu wenig Bilder zu haben und mit fünf oder sieben Bildern heim zu kommen und sagen meine Serie ist fertig, und dann gibt es ja doch den einen oder anderen Kritiker im Haus der vielleicht sagt, naja aber das habe ich noch nicht ganz verstanden, Was mich dann meistens total wurmt, weil der Drittiger leider recht hat. Also von daher, ich glaube, wenn man eine gute Serie machen will, braucht man sehr viel Fleisch, also sehr viel Bilder.
Michael Koopmann
Was aber ja nicht bedeutet, dass so eine Serie auch an einem Tag entstehen muss, sondern sie kann ja über Tage, Wochen, Monate, Jahre meinetwegen auch entstehen, wenn man halt die Idee hat und erstmal einfach sammelt, bis man halt dann genug Fleisch hat und daraus was machen kann.
Oliver Schlecht
Genau, also aus der seriellen Fotografie kann eine Serie entstehen, das sind aber zwei unterschiedliche Dinge. Und das andere Thema, was für mich bei Spöse nicht ein großes Learning war, ist das Kill Your Darlings. Also man kommt heim mit einem Bild und sagt, das ist das Bild, das ist das Überbild, ich habe noch nie ein besseres Bild gemacht, das das Thema illustriert. Und das sollte man selbstkritisch rangehen, weil solche Bilder, mit denen man persönlich vielleicht eine ganz hohe emotionale Verbindung hat, die mögen vielleicht diese eigene emotionale Bildung gar nicht so transportieren und für andere gar nicht so ersichtlich sein. Und andere mögen vielleicht ein ganz anderes Bild viel besser haben. Da hilft es wirklich, die Bilder auch mal einem Freund zu geben und zwar einem kritischen Freund. Also der Kritiker im eigenen Haus, der ist schon mal ganz gut als erster Filter, aber vielleicht nicht der beste Filter. Der beste Filter ist nach meiner Ansicht nach immer jemand Drittes, der… Ja, ein guter Freund, guter Bekannter, gute Freundin.
Michael Koopmann
Aber von außen halt drauf guckt und vielleicht gar nicht auch mit der Fotografenbrille, sondern einfach nur mit der Brille des Zuschauers und eine ganz andere Sichtweise dann plötzlich auf sowas hat.
Oliver Schlecht
Ich finde es schon ganz gut, wenn diese dritte Person einen künstlerischen Blick hat. Denn was wir eigentlich ja versuchen möchten mit Bildern auszudrücken, sind ja irgendwo Geschichten und Gefühle. Also es gibt natürlich ganz tolle, starke grafische Bilder im Bereich Architektur oder auch Makrofotografie, die sehr stark durch eine Grafik leben oder durch die Grafik wirken.
Michael Koopmann
Am Ende steckt aber oberleine Geschichte hinter, würde ich mal behaupten. Irgendwas ist immer in diesem Bild drin. Das ist ja auch der Grund, warum dieses Podcast hier überhaupt existiert und hoffentlich noch ein paar Episoden, wir genug Fleisch haben dafür. Genau.
Oliver Schlecht
Aber meine Bilder zeichnen sich nicht durch eine super grafische oder auch Bildaufteilung auf. Das ist ja zum Teil auch manchmal geschuldet, dass man irgendwas drauf bekommen möchte. Und wenn man jetzt eine Reflexion haben möchte, ob die Gefühle und die Geschichte ankommt, dann brauche ich jemanden, der Gefühl und Geschichte kann. Und das kann vielleicht nicht jeder ausdrücken. Und deswegen habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht mit zwei, drei guten Bekannten, Damen und Herren, ich impliziere alles, denen ich sowas schicken kann und sagen kann, du kannst mal draufschauen. Ich hätte mal von dir eine Reflexion, dann bekomme ich auch ein ähnliches Feedback zurück. Und damit filter ich dann final aus und da kann es schon sein, dass der Darling vom Anfang hinten rausfällt also in dieser Serie gab es auch einen Darling, den ich voll cool fand, der aber dann einfach auch wirklich rausgefallen und gelöscht worden ist und.
Michael Koopmann
Dann heißt es halt Kill your Darling’s und da muss man Abschied nehmen.
Oliver Schlecht
Genau, Persönlich bin ich ein sehr großer Freund davon, dass jedes Bild hat ein Recht auf einen Titel. Ich habe da mal sehr intensiv und lange mit jemandem darüber diskutiert und stehe immer noch dazu. Das darf auch in dem Bild stehen. Und was dann mein ganz persönliches Thema ist, was vielleicht auch so ein bisschen mein eigenes Ding ist, dass ich noch einen Text dazu schreibe. Also die Bilder könnten wahrscheinlich auch ohne Text ganz gut stehen, aber für mich persönlich gehört das noch der Text dazu, der das Ganze irgendwie in den Kontext bringt oder vielleicht auch meine Gefühlslage nochmal unterstreicht oder besser darstellt. Und so entstehen dann bei mir eigentlich die Serien, die ich in kleinen Mengen im Jahr produziere.
Michael Koopmann
Ja, und was halt daran einfach mega schön ist, dass man sich halt dann plötzlich mit seiner Fotografie halt viel, viel länger beschäftigt und viel, viel tiefer reingeht, weil wenn ich jetzt wieder als Gegenpol nehme, das Instagram-Bild, was ich dann irgendwo mal gemacht habe und vielleicht einfach grafisch schön aussieht und auf Instagram funktioniert, ist aber dann halt wirklich nur dieser im Endeffekt schnelle Schuss, den ich da hochgebracht habe. Und naja, vielleicht habe ich da noch irgendwie einen Zweizeiler drunter geschrieben, aber das ließ nachher eh kein Mensch, also kann ich mir das eigentlich auch sparen. Und mit dieser Serie und halt dem Blogpost oder wo auch immer ich das dann veröffentliche, muss ich mich plötzlich eine Stunde, zwei, fünf ganz lang hinsetzen und überhaupt damit beschäftigen, dass ich halt diesen Bildern eben eine Bühne gebe. Und ich glaube, das ist sehr, sehr wertvoll. Und ja, wenn wir jetzt den Schlag wieder zurück auch zu unserer Demokratie nehmen und da ist, glaube ich, auch einfach der Weg gut, auch da einfach mal mehr Zeit zu investieren und nicht halt nur den schnellen Social Media Hate Post oder sonst was seiner Meinung, sondern auch da sich mit Themen einfach mal ein bisschen tiefer beschäftigen und dann vielleicht nicht mit allem, aber dann mit einem.
Oliver Schlecht
Zeit ist ein wichtiges Thema, meiner Ansicht nach. Mit der Zeit reifen Dinge.
Michael Koopmann
Ja, und Zeit ist, glaube ich, auch das Thema jetzt für den Podcast. Deswegen würde ich jetzt langsam versuchen, dass wir hier den Ausstieg finden. Denn ich glaube, dieses Thema hätte noch genug Potenzial, hier Stunden zu füllen. Und das ist auch ein sehr schönes Gespräch, was ich auch gerne weiterführen würde, aber damit da draußen die Hörer eine Chance haben, das Ganze überhaupt aufgehört zu kriegen, würde ich sagen, versuchen wir mal das Ende zu finden. Ihr da draußen guckt in die Shownotes, geht auf den Blog von Olli, guckt euch den Post hier an zur Demokratie, aber auch die vielen anderen Posts, geht auf bilderlinks.de, guckt euch andere Blogs an, wo auch ganz viele Fotografen sich wahnsinnig viel Zeit nehmen, Bilder darzustellen, und genießt Fotografie viel, viel langsamer und dafür dann viel schöner und tiefer in so ein Bild einzusteigen. Das ist einfach meine Empfehlung an euch, sich dafür die Zeit zu nehmen. Und ja, vielen Dank, Olli, dass du dir die Zeit genommen hast, hier mit mir zu sprechen und dass wir diese Podcast-Aufnahme machen konnten.
Oliver Schlecht
Michael, vielen Dank, dass ich dein Gast sein durfte und du dir die Zeit genommen hast, auch dieses Experiment durchzuführen und an alle Hörer vielen Dank, dass sie euch die Zeit genommen hat zuzuhören.
Michael Koopmann
Also ich würde sagen, dass das Experiment geglückt ist, aber das müssen dann die Hörer da draußen sagen. Schreibt es bitte in die Kommentare, wie fandet ihr die Folge und ja, wenn das gut ist, probieren wir gerne auch nochmal mehr Serien hier demnächst im Podcast. Aber bis dahin erstmal Tschüss und ja, bis zu einem der nächsten Mittwoche mit einer neuen Folge und einem neuen Bild hier im Podcast. Auf Wiederhören.

Hinweis: Das Transkript wurde automatisch erstellt und nicht manuell geprüft oder korrigiert. Die Erkennung ist nicht fehlerfrei, daher können Inhalte falsch sein. Maßgeblich ist immer das im Podcast gesprochene Wort

Stimmt für mich bei den ‚Podfluencer-Awards‘:


Kommentare

Reaktionen aus dem Fediverse

Ein Kommentar zu „Dia 20 – Demokratie in bewegten Zeiten mit Oliver Schlecht“

  1. Lieber Michael,
    nochmals vielen Dank für die Möglichkeit mit dir über meine Fotoserie zu sprechen. Das eine tolle Erfahrung mit wirklich guten Fragen. Danke!
    bis bald & lg, oli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert